Der Roman »Genua« versucht offensichtlich, sich den übergroß in der Literaturgeschichte thronenden Urgroßvater Melville vorzunehmen, ihn mit Hilfe einer avantgardistischen Zerhack- und Montiermethode zu verdauen, vielleicht nicht über ihn hinweg-, sondern eher an ihm vorbeizukommen. Was auf den ersten Blick ziemlich gewaltsam und nach Ende des Avantgarde-Jahrhunderts auch angestaubt wirkt, erweist sich schließlich als überraschend lesbar, ja berührend. Metcalf arbeitet großteils mit Fundstücken, die er assoziativ zusammensetzt: die Briefe und Reiseberichte des Kolumbus, ein Mosaik von Passagen aus Melvilles Briefen, Seefahrer- und Walfängergeschichten und dazu die Geschichte zweier Brüder. Der eine, seßhaft, mit Klumpfuß behaftetm, sinnt im Dachboden seines Hauses mitten in den Vereinigten Staaten dem anderen nach, der unstet durch die Weltläufe schweift, mit einem zu großen und verrückten Kopf. So werden also Ahab und Moby Dick, in abgewandelter Gestalt, assoziiert, und was hier angestrebt und, wie gesagt, fast überraschend auch erreicht wird, ist etwas wie Literatur in ihrer reinsten Form, ein Buch ohne die Überleitungen, die die Konvention sonst vom Erzähler fordert und deren sich die Moderne zu entledigen versuchte.
Wer sich auf Mecalfs eigenwillige Erzähltechnik in diesem Roman einlässt, wird über die Dynamik in diesem erzählerischen Kaleidoskop erstaunt sein. Es ermöglicht Entdeckungsreisen nicht nur in den literarischen Kosmos von Melville und die Psychohistoirie solcher unentwegt vorwärts getriebenen Viten, sondern auch ins »heart of darkness« des Kontinents Amerika. Denn Paul Metcalf beleuchtet in »Genua«, wie sich der Bruch mit den Väterwelten, auf dem das Projekt Amerika letztlich beruht, in jeder Gegenwart neu wiederholt und das auch mit der eigentümlich ungebunden in der amerikanischen Mentalität liegenden Gewalt, sich an den Grenzen zur Zukunft durch keinerlei Widerstände aufhalten zu lassen. Denn wem alle Rückwege in die Väterwelt versperrt sind, kann nur nach vorne fliehen.