Im Mai 2009 werden zwei Neuerscheinungen ausgeliefert. Es handelt sich um Erzählungsbände, deren Verfasser verschiedenen Generationen angehören und daher natürlich allein schon hinsichtlich ihrer Sichtweisen recht unterschiedlich sind. Auf der anderen Seite weisen sie aber auch zahlreiche Gemeinsamkeiten auf.
Das Buch von
KIM Sung-Ok »Mujin im Nebel«
enthält die wichtigsten Erzählungen des 1941 geborenen Autors, dessen Werke ausnahmslos in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden sind. Kim Seungoks ungewöhnlicher Stil und besonderes Sprachgefühl verbinden sich mit seiner einzigartigen Fähigkeit, realistische und phantastische Elemente in einer Weise zu verbinden, die auch westliche Leser gefangennehmen sollte. Seine Sympathie gilt denen, die sich außerhalb des Systems befinden, seine Texte erneuerten in radikaler Weise die Nachkriegsliteratur Koreas, welche stark von didaktischen und moralischen Implikationen bestimmt war.
Der 1960 geborene SUNG Suk-je dagegen ist ein Vertreter der jüngeren (wenn auch nicht jüngsten) Autorengeneration.
Die Protagonisten seiner Texte, von denen wir eine Auswahl in dem Band »Die letzten viereinhalb Sekunden meines Lebens« veröffentlichen, gehören ähnlich wie bei Kim Seungok eher zum Rand der Gesellschaft, doch werden sie von Seong Seok-Je mit einer liebenswerten Mischung aus Gerissenheit und Naivität dargestellt. Sie verkörpern eine Komik und Absurdität, die der Leser auch aus seinem eigenen Erfahrungsraum kennt.
Seongs sprühender und unangestrengter Witz wird gewiß auch in der deutschen Übersetzung für ihn einnehmen.